Segregation in der multikulturellen Gesellschaft

Im Laufe ihrer Geschichte haben die Vereinigten Staaten zahlreiche Einwanderungswellen erlebt. Viele Menschen kamen aus freien Stücken, manche wurden ins Exil gezwungen. Heute ist jeder zehnte US-Amerikaner im Ausland geboren. Von harmonischem Miteinander kann jedoch keine Rede sein. Vor allem Schwarze werden weiterhin diskriminiert.

Hohe Zahl Hispanos in USA

Nach der jüngsten Volkszählung wuchs die Bevölkerungsgruppe der Hispanos in den Vereinigten Staaten zwischen 1990 und 2000 um 60 Prozent und ist inzwischen größer als die der Afroamerikaner.

1990 lebten in den USA 22,4 Millionen Hispanos, 2000 waren es 35,4 Millionen. Die Zahl der Schwarzen stieg im gleichen Zeitraum um 16 Prozent von 30 auf 34,7 Millionen, während die Gesamtbevölkerung um 13,4 Prozent auf 281 Millionen Menschen (bis 2006 auf insgesamt 298 Millionen) anwuchs.

Die US-Bürger asiatischer Abstammung liegen mit einem Anteil von 4 Prozent weit hinter den Hispanos mit 12,6 Prozent und den Schwarzen mit 12,3 Prozent.

Bevölkerungsentwicklung in den USA

Bevölkerungsentwicklung in den USA

Foto: © Le Monde diplomatique

Kalifornien und Texas mit höchstem Zuwachs an Hisponas

Diese Zahlen sind auch insofern von Belang, als sie den Zuschnitt der Wahlkreise beeinflussen und damit die Machtverteilung im Repräsentantenhaus mitbestimmen (im Senat dagegen ist jeder Staat unabhängig von seiner Einwohnerzahl mit je zwei Senatoren vertreten).

Dass Kalifornien und Texas heute die bevölkerungsreichsten Bundesstaaten sind und damit die meisten Abgeordneten in den Kongress entsenden, liegt auch daran, dass sie den größten Zuwachs an Hispanos verzeichnen.

Jeder zehnte Amerikaner im Ausland geboren

2006 kamen schätzungsweise 81 Prozent der 12 Millionen illegalen Einwanderer aus Lateinamerika – um diesen Zustrom einzudämmen, beschloss der republikanisch dominierte US-Kongress im Herbst 2006 den Bau einer 1100 Kilometer langen Sperranlage.

Die Immigranten haben die demographische Entwicklung in den Vereinigten Staaten maßgeblich mitbestimmt. Inzwischen ist jeder zehnte Amerikaner im Ausland geboren, ein Prozentsatz, der zuletzt in den 1930er-Jahren erreicht wurde.

Bevorzugung demokratischer Politiker

In früheren Zeiten setzten die Republikaner noch auf die Angst vor Zuwanderern, um sich die Stimmen der weißen Kleinbürger zu sichern. Wie sehr ihnen diese Propaganda geschadet hat, merkten sie, als die immer zahlreicher werdenden Hispanos demokratische Kandidaten bevorzugten, wie es auch bereits 90 Prozent der Schwarzen tun.

Als ehemaliger Gouverneur von Texas war sich George W. Bush dieser politischen Dynamik bewusst. Also ging er auf Abstand zum »nativistischen« Flügel seiner Partei und steigerte bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2004 seinen Anteil an den Hispano-Stimmen auf 44 Prozent (1996 waren nur 26 Prozent auf den republikanischen Kandidaten entfallen).

Hispanobevölkerung

Hispanobevölkerung

Foto: © Le Monde diplomatique

Schwarze Bevölkerung

Schwarze Bevölkerung

Foto: © Le Monde diplomatique

Weiße Bevölkerung

Weiße Bevölkerung

Foto: © Le Monde diplomatique

Benachteiligung der schwarzen Bevölkerung

Bei der Volkszählung von 1990 wurden 8 Millionen Amerikaner, vor allem Angehörige von Minderheiten, nicht erfasst, während 4 Millionen doppelt registriert wurden, die großenteils Weiße waren. Leidtragende der Ungerechtigkeiten und sozialen Defizite in den USA sind fraglos die Schwarzen. Das gilt für die Bereiche Bildung und Gesundheit wie für die Rechtsprechung, für die Wohnungssituation wie für die Repräsentanz im Fernsehen.

Keine schönen Worte über die multikulturelle Gesellschaft können darüber hinwegtäuschen, dass sich im Alltagsleben der Vereinigten Staaten eine neue soziale Segregation entwickelt. Beispiel Bildungswesen: Schwarze Schüler gehen häufiger auf schlecht ausgestattete Schulen und haben bei Ordnungsverstößen härtere Strafen zu erwarten als ihre weißen Mitschüler.

Beispiel Gesundheitswesen: Die Lebenserwartung von schwarzen US-Amerikanern liegt sechs Jahre niedriger als die von weißen. Bei gleichen Symptomen wird schwarzen Patienten seltener eine Behandlung verordnet als weißen. Das betrifft besonders die Aids-Patienten, von denen über die Hälfte Schwarze sind.

Juristische Nachteile

Beispiel Justiz: Schwarze werden in der Öffentlichkeit öfter von der Polizei kontrolliert als Weiße und für das gleiche Verbrechen viermal so oft mit dem Tod bestraft.

In Maryland zeigt sich diese Ungleichbehandlung noch bei den kleinsten Vergehen: Zwar stellen die Schwarzen nur 17 Prozent der Autobesitzer, aber 70 Prozent der Polizeikontrollen entfallen auf schwarze Fahrer. Bei Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung haben Schwarze häufiger mit einem Verfahren zu rechnen als Weiße.

Nachteile im Alltag

Beispiel Wohnungssituation: In Wohnvierteln, die in der Nähe von umweltverschmutzenden Anlagen liegen, leben meist überwiegend Schwarze.

Beispiel Fernsehen: Bei einer Serie mit schwarzen Hauptdarstellern schaltet das weiße (zahlreichere und zahlungskräftigere) Publikum möglicherweise nicht ein, sodass die Werbeindustrie dezent den Rat erteilt, die »Zielgruppe« zu erweitern.

Mischehen in den USA

Mischehen in den USA

Foto: © Le Monde diplomatique

Keine Verschmelzung ethnischer Gruppen

Während Eheschließungen zwischen Weißen und Hispanos ziemlich häufig sind, bleiben sie zwischen Schwarzen und Weißen eher die Ausnahme (0,6 Prozent).

Die naive Begeisterung über den »Schmelztiegel« Amerika täuscht heute wie schon vor hundert Jahren über eines hinweg: Obwohl immer mehr Ethnien in den Tiegel gewandert sind, findet eine Verschmelzung heute so wenig statt wie früher.

Mehr Informationen zum Thema: