Leben mit dem Klimawandel

Die meteorologischen Messungen belegen, dass sich die Erde erwärmt. Dazu trägt nicht zuletzt der hohe Ausstoß von Kohlendioxid bei. Die bisher ergriffenen Gegenmaßnahmen kommen zu spät und reichen nicht aus.

Der Treibhauseffekt nimmt zu 

Die Prognosen zur globalen Erwärmung sind im Lauf der letzten Jahre immer erschreckender geworden. Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderung (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) bestätigte in seinem 2001 veröffentlichten Bericht, dass der Treibhauseffekt seit dem 19. Jahrhundert erheblich zugenommen ha

Letzte Eiszeit war nur 5 Grad kälter

So hat der Kohlendioxidausstoß zu einem globalen Temperaturanstieg von 0,8 Grad zwischen 1860 und 2000 beigetragen. Nach demselben Bericht wird die Erwärmung vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2100 zwischen 1,4 und 5,8 Grad liegen – eine gewaltige Veränderung, wenn man bedenkt, dass es auf der Erde während der letzten Eiszeit vor 15.000 Jahren um durchschnittlich gerade einmal 5 Grad kälter war als heute.

Langfristige Temperaturentwicklung

Langfristige Temperaturentwicklung

Foto: © Le Monde diplomatique

Klimawandel am “Point of no return”?

Eine auf 2.578 Simulationen beruhende Studie, die 2005 von der Universität Oxford veröffentlicht wurde, prognostiziert eine noch stärkere Erwärmung: Die Voraussagen reichen von 1,9 bis zu 11,5 Grad, wobei die meisten Einzelergebnisse zwischen 2 und 8 Grad liegen. Am beunruhigendsten ist die Vorstellung, dass es zu einem »point of no return« kommen könnte.

Selbst wenn heute drastische Gegenmaßnahmen ergriffen würden, könnten nämlich wegen der Langsamkeit der klimatischen Reaktionen die schädlichen Auswirkungen noch viele Jahre zu spüren oder sogar überhaupt irreversibel sein.

Der kritische Punkt scheint, so der sich abzeichnende Konsens, bei einem Plus von 2 Grad zu liegen. Um darunter zu bleiben, dürfte die CO2- Konzentration in der Luft 550 ppm (parts per million) nicht übersteigen. Manche Wissenschaftler setzen diesen Höchstwert sogar nur bei 400 ppm an. Die CO2-Konzentration ist aber von 270 ppm im Jahr 1850 auf 380 ppm im Jahr 2005 gestiegen, ein einzigartiger Anstieg in den 420.000 Jahren, für die sich die Klimageschichte rekonstruieren lässt und in denen die CO2-Konzentration zwischen 180 und 280 ppm schwankte.

Langfristige Entwicklung der CO2-Konzentration

Langfristige Entwicklung der CO2-Konzentration

Foto: © Le Monde diplomatique

CO2-Ausstoß um ein Viertel senken

Bei der derzeitigen Steigerung von 2 ppm pro Jahr könnte ein kritischer Punkt in zehn bis dreißig Jahren erreicht sein. Damit die kritischen 2 Grad Zunahme gar nicht erst erreicht werden, müssten außerdem die Industrieländer ihren CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2050 auf ein Viertel der heutigen Emissionen reduzieren.

Zwar sind alle diese Prognosen mit Unsicherheiten behaftet. Aber angesichts der immensen Risiken und des zunehmenden Konsenses unter den Experten sollte das Vorsorgeprinzip gelten und ebenso schnell wie wirksam gegengesteuert werden.

Wenn das Kyotoprotokoll in vollem Umfang umgesetzt wird, also auch die USA es ratifizieren und die Europäer halten, was sie versprochen haben, dann wird die für 2100 berechnete Klimaerwärmung gerade um 0,06 Grad niedriger ausfallen, also um 2 oder 3 Prozent. Überdies legt das Kytoprotokoll keine Obergrenzen für den CO2-Ausstoß in den Ländern des Südens fest, die den legitimen Wunsch haben, den Westen »einzuholen «. Das Scheitern der Verhandlungen bei der Kyotofolgekonferenz in Montreal 2005 hat gezeigt, wie groß die Widerstände sind.

Anzeichen für den Klimawandel häufen sich

Die Anzeichen für einen Klimawandel häufen sich. So war das zurückliegende Jahrzehnt das wärmste seit Beginn der regelmäßigen Messungen im 19. Jahrhundert. Und es war gekennzeichnet von einer Zunahme extremer Klimaphänomene: Im Pazifik trat El Niño öfter und stärker auf, der europäische Hitzesommer 2003 könnte sich zyklisch wiederholen, und in den USA und in Asien gab es 2004 und 2005 so viele tropische Wirbelstürme wie nie zuvor. Die zunehmend übereinstimmenden Simulationsrechnungen legen nahe, dass es sich hier nicht um eine zufällige Häufung handelte.

Unsere Welt wird wärmer

Unsere Welt wird wärmer

Foto: © Le Monde diplomatique

Millionen Klimaflüchtlinge werden erwartet

Im Übrigen erweisen sich einige Phänomene als dauerhaft, wenn auch in ihren Folgen nicht genau abschätzbar. Der Temperaturanstieg wirkt sich wahrscheinlich verheerend auf die Korallen und den von ihnen abhängigen marinen Lebensraum aus, der durch die Erwärmung der Polarregionen bereits stark gefährdet ist. Die größere Ausdehnung des Meerwassers könnte außerdem zu einem Anstieg des Meeresspiegels um 25 Zentimeter bis zu einem Meter führen. Bis zum Jahr 2050 könnten dadurch, wie Berechnungen ergaben, 80 bis 400 Millionen so genannte Klimaflüchtlinge zu erwarten sein. Die Störungen der Niederschläge dürften sich auf die Landwirtschaft ebenso auswirken wie auf die Verbreitungsgebiete von Krankheiten.

Mensch leitet die 6. große Lebensvernichtungsphase ein

Auch in puncto Artenvielfalt wird die Klimaerwärmung dramatische Folgen haben, da sich viele Lebewesen nicht schnell genug werden anpassen können. Dabei steht der Mensch schon heute – mit der Zerstörung von Lebensräumen und der »gewöhnlichen« Umweltverschmutzung – als der Verursacher der sechsten großen Lebensvernichtungsphase der Erdgeschichte da.

Autor: Frédéric Durand

Frédéric Durand lehrt Geographie an der Universität Toulouse-II-Le Mirail; er ist Autor von “La Jungle, la Nation et le Marché. Chronique indonésienne”, Paris (L’Atalante) 2001.

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