Der Prozess der Verinselung

Die Zerstückelung von Populationen durch das Zerteilen von Habitaten ist der vierte Weg, Arten zu vernichten.

Wenn Menschen Land nutzen, bleiben mitunter kleine Naturräume zurück. Es sind Inseln ungestörter Natur in einem Meer total veränderter Lebensräume.

Ein Beispiel findet sich im brasilianischen Regenwald. Gab es Rodungen, so blieben häufig kleine Waldinseln übrig. Die Vegetation um diese Inseln wuchs zwar nach, doch es waren hauptsächlich Büsche und Kräuter, kein Wald mehr.

Wissenschaftler untersuchten diese Waldinseln und stellten dabei fest, dass zum Rand hin immer mehr Arten verloren gingen, manche verschwanden sogar noch nach 20 Jahren. Einige, weil die Bedingungen sich immer noch änderten, andere, weil die Insel zu klein war, um eine stabile Population zu erhalten.

Ähnliche Effekte gibt es auch in Wäldern, die durch Straßen zerschnitten sind. Deutliches Beispiel ist eine Vogelgruppe, die sich von Treiberameisen ernährt. Diese Ameisenvögel sind daran angepasst, sich im dunklen Wald zu bewegen. Sie fliegen nicht ins offene Gelände. Treiberameisen brauchen allerdings große Urwaldareale und wandern einfach weiter, wenn eine Waldinsel nichts mehr bietet. Die Ameisenvögel überqueren jedoch nicht die offene Straße und bleiben im kleinen Waldstück zurück. Bald finden sie in der Waldinsel nicht mehr genug zu fressen und verhungern.

Eine Art nach der anderen stirbt aus, wenn Naturräume in Inseln zerlegt werden. Es führt zu einer deutlichen Vereinfachung des Ökosystems. Am Ende erhält man etwas, was mit dem Ausgangszustand nur noch wenig zu tun hat.

Derartige Verinselungen kommen immer häufiger vor. Auch Naturreservate sind solche Inseln, je kleiner sie sind, umso gefährdeter sind ihre Bewohner.