04.11.2006, Naturefund

Die wichtigste Aufgabe des 21. Jahrhunderts

Eine Weg ist, die Emissionen zu senken.
Foto: Naturefund

Nicholas Stern, früherer Chefökonom der Weltbank, hat seinen Bericht 'The Economics of Climate Change' veröffentlicht. Darin zeigt er auf, dass es zu einer großen Rezession kommen kann, wenn es nicht gelingt, den Klimawandel zu stoppen.

Profite mit Klima- und Umweltschutz

Liebe Leserin, lieber Leser,

In seinem Bericht 'The Economics of Climate Change' zeigt Nicolas Stern auch auf, dass der Klimawandel keineswegs nur negative ökologische Konsequenzen von unvorstellbaren Ausmaßen nach sich ziehen wird.

Wenn es gelingt, die Herausforderungen des Klima- und Umweltschutzes konstruktiv zu gestalten, können bis 2050 Profite von bis zu 2,5 Billionen Dollar möglich sein.

Die USA weigern sich dem Kyoto-Protokoll beizutreten

Umweltschutzorganisationen warnen seit Jahrzehnten vor den verheerenden Folgen des Klimawandels, doch viele Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik ignorieren diese Warnungen.

Immer wieder wird argumentiert, dass die Daten nicht stichhaltig seien, oder aber, wenn sich die Zahlen häufen und gegenseitig bestätigen: Umweltschutz sei eine Konjunkturbremse, schade der Wirtschaft und dem internationalen Wettbewerb.

Die USA mit den höchsten CO2-Emissionen weltweit, weigern sich immer noch, dem Kyoto-Protokoll beizutreten. Immerhin haben sich mittlerweile einige US-Bundesstaaten der Zentralregierung widersetzt und beschlossen, am Emissionshandel teilzunehmen.

Ausstoß von Treibhaus-Gasen steigt weiter

Nach einem Bericht des Klima-Rahmensekretariats der Vereinten Nationen (UNFCCC) gingen die CO2-Emissionen von 41 Industrieländern zwischen 1990 und 2004 zwar insgesamt um 3,3 Prozent zurück, stiegen dann im Zeitraum von 2000 bis 2004 aber wieder um 2,4 Prozent.

In Mittel- und Osteuropa erhöhte sich der Ausstoß von Treibhaus-Gasen im neuen Jahrtausend sogar um 4,1 Prozent. Das Klima-Rahmensekretariat zeigt sich vor allem besorgt über die Entwicklungen im Transportsektor. Dort wurde von 1990 bis 2004 die unglaubliche Steigerung von 23,9 Prozent registriert.

20 Prozent des weltweiten BSP könnten verloren gehen

Nicholas Stern rechnet in seiner Studie die Folgen einer möglichen Erderwärmung von bis zu 5 Grad Celsius vor: Wasserknappheit, steigende Meeresspiegel, Hunger, Armut und Verteilungskämpfe, die zu der größten Rezession führen können, welche die Weltbevölkerung seit dem Crash an der Wallstreet im Jahr 1929 erlebt hat.

Jahr für Jahr könnten zwischen 5 und 20 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts verloren gehen, während umgekehrt ein einziges Prozent desselben pro Jahr genügen würde, um eine wirksame Reduzierung der Treibhausgase zu bewirken.

Schadstoffreduzierung und Schutz der Regenwälder

Als eine der wichtigsten Voraussetzungen nennt Stern höhere Zielwerte bei der Schadstoffreduzierung ebenso wie eine umfassende Beteiligung von Ländern wie den USA, China oder Indien.

Außerdem müsse die Weltbank einen milliardenschweren Fond auflegen, um finanzschwachen Staaten wie Brasilien oder Papua-Neuguinea bei der Erhaltung und Wiederaufforstung der tropischen Regenwälder zu helfen.

Neben dem Kyoto-Protokoll wird zunehmend klar, dass dringend weitere globale Maßnahmen zum Klimaschutz gefordert sind, um mit bereits bestehenden und neuen Marktmechanismen Investitionen in saubere Technologien zu fördern.

Auch die Europäer haben Defizite

Welche Wirkungen der Stern Report auf die Regierungen haben wird, ist noch unklar. Selbst die Europäer haben noch zahlreiche Defizite zu beheben. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass der CO2-Ausstoß in Europa bis 2020 um 30 und bis 2050 um 60 Prozent gesenkt werden muss, um den gewünschten positiven Effekt zu erzielen.

Doch allein die Türkei verzeichnete zwischen 1990 und 2004 einen Zuwachs ihrer Emissionen von 72,6 Prozent, während Spanien auf 49 und Portugal auf 41 Prozent kam.

Flugverkehr um 50 Prozent angestiegen

Zwischen Erde und Ozonschicht schwelt derweil ein weiteres Problem. Die Emissionen aus dem Flugverkehr sind allein in den letzten zehn Jahren um 50 Prozent angestiegen. Und noch ist der Flugverkehr aus den Verpflichtungen des Kyoto-Protokolls ausgenommen.

Doch gerade die freiwerdenden Schadstoffe in den höheren Schichten der Erdatmosphäre machen etwa 3,5 Prozent aller klimaschädlichen anthropogenen Emissionen aus. Gleichzeitig können nur 5 Prozent der Weltbevölkerung die Annehmlichkeiten des Fliegens tatsächlich nutzen.

Die Europäische Kommission denkt deshalb bereits darüber nach, für die entsprechenden CO2-Emissionen Höchstwerte festzusetzen und die Fluggesellschaften in den europäischen Emissionshandel einzubinden. Doch mit einer Umsetzung wird nicht vor 2009 oder 2010 gerechnet.

Noch ist Zeit - wenn auch nicht mehr viel

Nicholas Stern ist in seiner Schlussfolgerung grundsätzlich optimistisch. Noch ist Zeit, die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern. Regierungen, Unternehmen und Privatleute müssen hier zusammenarbeiten, um die Herausforderung anzunehmen.

Die Zeit drängt. Es sollte, es muss gelingen so Stern, die globale Erwärmung unter zwei Grad Celsius zu halten. Sonst werden die Änderungen bei Klima und Wetter außer Kontrolle geraten. Die Weltgemeinschaft kann den Klimawandel in den Griff bekommen, doch das Zeitfenster wird immer kleiner. Lösungen gibt es genug, um die Emissionen in den 10 bis 15 Jahren weltweit und deutlich zu senken.

Nach Stern ist dies die wichtigste Aufgabe des 21. Jahrhundert.