15.10.2012, Naturefund Projektdetail

Der Auwald beim Kloster Beuren

Verwunschene Auenlandschaft
Foto: Dr. H. Fried

Naturefund will einen Auwald am Fuss Leine auf etwa 1,5 Kilometer kaufen und schützen. Schwarzerlen, Eschen und Weiden hängen teilweise tief über dem Wasser. Über Jahrhunderte kaum vom Menschen genutzt, blieb hier ein seltenes Biotop erhalten.

Auwälder sind selten geworden

Auwälder entlang von Flüssen und Bächen werden regelmäßig überflutet. Spezielle Laubbaumarten, wie Erlen, Eschen und Weiden, haben sich an die große Feuchtigkeit und an nasse Wurzeln angepasst.

Zwei Drittel aller Pflanzengesellschaften Deutschlands kommen in Auwäldern vor. In den vergangenen Jahrhunderten wurden jedoch in Deutschland gut 80% der Auwälder abgeholzt und trockengelegt.

Trotz dieser tiefgreifenden Veränderungen sind die noch bestehenden Auen wichtige Überlebensräume für bedrohte Arten, wie Eisvogel und Wasseramsel.

Wasser und alte Bäume

Heute ist diese Bachlandschaft zwischen Beuren und Wingerode ein typisches Auenbiotop. Der Auwald bei Beuren nimmt eine Fläche von 2 Hektar ein. Die Baumschicht dieses Waldes wird hauptsächlich durch die Esche (Fraxinus excelsior) und die Schwarzerle (Alnus glutinosa) bestimmt.

In der Feldschicht dominieren Stickstoffzeiger wie Große Brennnessel (Urtica dioica), Klettenlabkraut (Galium aparine), Bereifte Brombeere (Rubus caesius) u. a. In der Strauchschicht findet man vor allem den Schwarzen Holunder (Sambucus nigra), die Gewöhnliche Traubenkirsche (Paduus avium), in den Nassbereichen auch Bruchweiden (Salix fragilis).

Ein Traubenkirschen-Eschenwald

Pflanzensoziologisch lässt sich diese Vegetation dem Traubenkirschen-Eschenwald (Pado-Fraxinetum, Oberd 1953) zuordnen. Diese deutschlandweit als gefährdet geltende Gesellschaft ist nach §20c des Bundesnaturschutzgesetzes geschützt. In diesem Waldbereich sind einige stattliche Stieleichen (Quercus robur) eingestreut, welche sehr wahrscheinlich auf Anpflanzungen zurückgehen.

Der Auwald geht in einen Gehölzstreifen über, welcher einen Altarm der Leine für etwa 1 Kilometer begleitet. Dieser setzt sich aus Schwarzerlen, Bruchweiden und ebenfalls einzelnen alten Stieleichen zusammen und sind als Auwaldrest zu bezeichnen.

Der Lebensraum des Mittelspechtes

Der Auwald sowie die bachbegleitenden Gehölze weisen zahlreiche Bäume mit einem hohen Totholzanteil sowie durch Fäulnis entstandene Baumhöhlen und Spechthöhlen auf. Die grobrissige Borke der alten Eschen und Stieleichen ist die Vorraussetzung dafür, dass der Mittelspecht (Dendrocopos medius) hier Nahrung finden kann.

Diese Art wird deshalb regelmäßig in der Leineaue beobachtet, fehlt aber ansonsten in den von Rotbuchen dominierten Wirtschaftswäldern des Landkreises fast vollständig, da sie an der glatten Rinde der Rotbuchen keine Nahrung finden kann. Somit hat der Auwald in der Leineaue auch eine große Bedeutung für den Mittelspecht in der Region.

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