Umgang mit Plastik

Sonnenblume

Sonnenblume

Foto: Naturefund

Es gibt zwei gute Wege, die Nutzung von Plastik einzudämmen: 1. Vermeiden Sie Plastik, wo Sie es können, besonders bei Lebensmitteln, und 2. beginnen Sie Fragen zu stellen, vor allem bei den Unternehmen, die Plastik verwenden bzw. produzieren.

Plastik bei Lebensmittel vermeiden

Vor allem über die Nahrung nehmen wir chemische Zusatzstoffe aus Plastik auf. Grundsätzlich sollten Sie daher alle Lebensmittel vermeiden, die längere Zeit mit Plastik in Kontakt waren. Dazu zählen insbesondere Lebensmittel, die fett, feucht oder säurehaltig sind, da hier die Wahrscheinlichkeit besonders hoch ist, dass sich chemische Zusatzstoffe aus der Plastikverpackung herausgelöst haben. 

Hersteller werden vielleicht anmerken, dass die chemischen Stoffe in Plastik nur in einem sehr geringen Anteil vorhanden sind. Sie berufen sich dabei auf den Niedrigdosis-Ansatz der Toxikologie: In niedriger Dosis ist ein Gift unschädlich. Doch manche chemischen Zusatzstoffe in Plastik wirken im menschlichem Organismus wie Botenstoffe und Hormone. Da reichen mitunter einige wenige Moleküle, um den menschlichen Stoffwechsel zu beeinflussen. 

Grundsätzlich gilt: Gesundes Plastik gibt es nicht.

Die tägliche Dosis

Die meisten von uns nutzen täglich verschiedene Plastikprodukte: Morgens unter der Dusche das Showergel aus dem Plastikbehälter. Am Duschvorhang aus Plastik tropft das Wasser ab und wir atmen die feuchten Dämpfe ein. Dann Zähneputzen mit einer Plastikzahnbürste mit Zahnpasta, die monatelang in einer Plastiktube war.

Der Kaffee kommt natürlich aus der neuen Kaffeemaschine, die mit heißen Dampf und Wasser das Kaffeepulver durch ein Plastikpad presst. Ein Käsebrot mit Käse, der schön sauber mit Plastik von den anderen Käsescheiben getrennt wurde. Noch schnell den Joghurtbecher auskratzen, natürlich ist der auch aus Plastik.

Ab zur U-Bahn, auf dem Weg wird noch schnell ein frisch gebrühter Cappucino in einem Pappbecher gekauft, der innen mit Plastik beschichtet ist, und achja, noch eine Flasche Wasser später für den Sport, natürlich aus einer Plastikflasche, die ist nicht so schwer. Und so geht es bei vielen über den Tag verteilt weiter ...

Studien deuten darauf hin, dass sich die Stoffe aus Plastik im menschlichen Körper anreichern (Bundesministerium für Gesundheit, Wien, 2010). Selbst wenn die chemischen Stoffe in Plastik unter der gesetzlichen zugelassen Mindestgrenze liegen, kann der permanente Kontakt mit Plastik dazu führen, dass wir diese Stoffe weit über die zugelassenen Mindestwerte aufnehmen.

Checkliste für den Einkauf

Wir wissen, dass es momentan schwer ist, Plastikfrei oder zumindest Plastikreduziert einzukaufen, doch mit ein wenig Phantasie und Neugier geht es. Hier ein paar einfache Tipps, wie und wo Sie am besten Plastik vermeiden und Ihre Gesundheit stärken:  

  • Keine in Plastik verpackten Lebensmittel kaufen. Sie wissen nicht, wie lange die Lebensmittel in Plastik eingeschweißt waren. Noch gibt es sie: Frische und unverpackte Lebensmittel auch im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt, am besten mit regionalen, saisonalen Produkten. Diese wurden mitunter erst den Tag davor geerntet, hmmm lecker!
  • Keine Konserven und Dosen verwenden.
    Konserven und Dosen sind innen oft mit Epoxidharz beschichtet, welches das schädliche BPA enthält. Einige Hersteller stellen schon um und bieten Produkte im Glas an. Die Deckel sind allerdings auch mit Plastik beschichtet und schädliche Stoffe können in die Nahrung gelangen. Dennoch ist Glas die bessere Alternative. 
  • Keine Getränke aus Plastikflaschen.
    In den letzten Jahren haben fast alle Getränkehersteller auf Plastikflaschen umgestellt. Es gibt Studien, welche die Unbedenklichkeit von Getränken aus Plastikflaschen postulieren, und Studien, die das Gegenteil belegen wollen. Letztendlich liegt es bei Ihnen, wem Sie Glauben schenken.

Drei gute Gründe gegen Plastikflaschen

Drei gute Gründe sprechen dennoch gegen Plastikflaschen:

  1. Nur ein kleiner Teil der Plastikflaschen wird tatsächlich recycelt. Der größte Teil landet bestenfalls im Müll, schlimmstenfalls in der Natur (Deutsches Verpackungsinstitut).
  2. Auch wenn Glasflaschen schwerer als Plastikflaschen sind und damit beim Transport mehr Treibstoff benötigt wird, liegt insgesamt der Unterschied zwischen einer Glas- und einer PET-Mehrwegflasche nur bei mageren 0,01 kg CO2 pro Flasche! Wenn Sie bei Naturefund für nur 6 EUR einen Baum im Regenwald pflanzen, können Sie für etwa 55 Jahre jeden Tag drei Liter aus einer Glasflasche trinken - ohne mehr CO2 zu verursachen. Mit PET-Flaschen schützen Sie also nicht wirklich das Klima. Einwegplastikflaschen sind im Vergleich dazu Klimasünder, denn sie verursachen pro Flasche doppelt so viel CO2 wie eine Glasflasche (Ifeu, Deutsches Verpackungsinstitut).
  3. Unser drittes Argument: Getränke aus Plastik schmecken nicht. Machen Sie den Test selbst: Legen Sie eine Plastikwasserflasche und eine Glaswasserflasche einen Tag lang in die pralle Sonne. Dann trinken Sie abends aus beiden Flaschen, am besten mit lauwarmen Wasser. Was schmeckt Ihnen besser? Uns hat eindeutig das Wasser aus Glasflaschen besser geschmeckt.

Noch ein paar Tipps

Plastik ist überall in unserem Alltag, teilweise können wir es nicht vermeiden, denn wer verzichtet schon gerne auf den Computer oder das praktische Smartphone? Doch ein paar Grundregeln im Umgang mit Plastik reduzieren das Risiko, gesundheitsgefährdende Stoffe aufzunehmen:

  • Erhitzen Sie keine Plastikgegenstände.
  • Schützen Sie Plastikartikel vor Sonneneinstrahlung.
  • Kein Plastik in den Geschirrspüler. Stoffe, wie Bisphenol A (BPA) werden beim Spülen herausgelöst und im Spülwasser verteilt. Alles andere Geschirr kommt mit dem Spülwasser in Kontakt und beim nachfolgendem Trocknen bleibt ein feiner Film auf dem Geschirr inklusive BPA & Co. zurück.
  • Verwenden Sie natürliche Kosmetikprodukte ohne Plastikstoffe.
  • Vermeiden Sie Kleidung, die Plastik enthält. Wir nehmen chemische Zusatzstoffe auch über die Haut auf.
  • Trennen Sie sich von Plastikgegenständen, welche Sie nicht unbedingt benötigen, oder bewahren Sie diese im Keller oder Dachboden auf.
  • Benutzen Sie vor allem keine alten Plastikgegenstände. Deren Oberflächen sind meist brüchig, so dass Zusatzstoffe besonders gut entweichen können.
  • Ersetzen Sie alte Elektrokabel. Kabel sind mit Plastik ummantelt, das häufig Flammschutzmittel enthält, die ebenfalls entweichen und vom menschlichen Körper aufgenommen werden können.

Ja, die chemischen Zusatzstoffe in Plastik sind unsichtbar, oft schmecken oder riechen wir sie nicht - außer nach einem Tag in der Sonne. Doch auch Radioaktivität ist nicht sichtbar und kann dennoch gefährlich werden.

Plastik-Frühjahrsputz

Machen Sie einen Plastik-Frühjahrsputz. Gehen Sie Raum für Raum durch Ihre Wohnung oder Ihr Haus und entdecken Sie, wo überall Plastik auf Sie wartet. Brauchen Sie dieses Plastik? Können Sie es ersetzen oder zumindest woanders verstauen, so dass Sie nicht mehr tagtäglich damit in Kontakt kommen? Zahlreiche chemischen Stoffe nehmen wir über die Atemluft und die Haut auf!

Ein Plastik-Frühjahrsputz kann übrigens das ganze Jahr über gemacht werden.

Stellen Sie Fragen

Wenn Sie wissen wollen, ob BPA oder andere Schadstoffe in Produkten enthalten sind, sprechen Sie das herstellende Unternehmen direkt an und bitten es um Aufklärung. Verbraucheranfragen an Unternehmen müssen laut Auskunftsrecht, welches mit der EU-Verordnung im Jahr 2007 eingeführt wurde, innerhalb von 45 Tagen bearbeitet und der Verbraucher muss über gefährliche Substanzen in den Produkten informiert werden.

Wir haben einen Musterbrief angefertigt, denn Sie gerne nutzen können. Naturefund bietet Ihnen an, dass wir Antworten von Hersteller und Unternehmen auf unserer Webseite veröffentlichen, wenn diese damit einverstanden sind, insbesondere dann, wenn ein Produkt oder eine Verpackung gesundheitsgefährdende Stoffe enthält.

Damit wird die Transparenz erhöht, die Unternehmen müssen weniger Fragen beantworten und mehr Menschen haben anhand dieser Informationen die Möglichkeit zu entscheiden, ob sie bestimmte Produkte kaufen wollen oder nicht.

Naturefund erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit und behält sich vor, bestimmte Angaben zu ändern oder zu erweitern. Wir wollen vor allen Dingen über das Thema Plastik informieren und Alternativen aufzeigen.

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