Die am häufigsten verwendeten Kunststoffe

Kunststoffe sind überall: Ein Großteil der Verbrauchs- und Gebrauchsgegenstände, die wir tagtäglich nutzen, besteht aus Kunststoff. Wir finden Plastik in Form von elektrischen Geräten, Spielzeug oder Lebensmittelverpackungen, als Schreib- und Küchenutensilien, im Auto oder gar als Kleidung. Doch auch in unserem Körper und vor allem in der Umwelt reichern sich Bestandteile von Kunststoffen an. Einige von ihnen sind sogar stark gesundheitsgefährdend.

Diese Seite soll daher einen Überblick über die in der Industrie am häufigsten verwendeten Kunststoffe, ihr Vorkommen und ihre Gefahren geben. Dabei erhebt Naturefund keinen Anspruch auf Vollständigkeit.  

7 Kunststoffe und ihre Wirkung

Polyethylenterephthalat (PET)

PET: Vermeiden!


- PET kann hormonell wirken;
- enthält gesundheitsschädigendes Acetaldehyd.

 

Vorkommen: 

PET ist ein Polyester und wird hauptsächlich für Folien, Lebensmittelverpackungen oder Kunststoffflaschen aller Art (auch PET-Getränkeflaschen) verwendet. Als PET-C verfügt es über eine hohe (Abrieb-) Festigkeit und Steifigkeit und wird daher in elektrischen Kleingeräten verbaut oder für Zahnräder, Rollen und Möbelbeschläge genutzt.

PET-A wird hingegen als Trägermaterial für fotografische Filme und Magnetbänder, Schreibfolien und Klebeband sowie für Elektroisolierfolien eingesetzt. Doch auch als Textilfaser kommt PET aufgrund seiner nützlichen Eigenschaften zum Einsatz: Es ist knitterfrei, reißfest, kaum dehnbar und damit sehr formbeständig und es nimmt nur sehr wenig Wasser auf, wodurch es z. B. für Sportbekleidung gut geeignet ist.

Achtung:

Zwar enthält PET, auch wenn es der Name nahelegt, keine Phthalate, jedoch konnten Forscher der Universität Frankfurt eine östrogene Belastung von Mineralwasser in PET-Getränkeflaschen feststellen. Zudem gibt PET mit der Zeit gesundheitsschädigendes Acetaldehyd (Ethanal) ab, das von der Weltgesundheitsorganisation als krebserregend eingestuft wurde.

Hier ist im alltäglichen Gebrauch besonders bei Einwegflaschen Vorsicht geboten, denn im Gegensatz zu Mehrwegflaschen enthalten diese keinen Acetaldehyd-Blocker. Allerdings kommt Acetaldehyd natürlicherweise auch in manchen Nahrungs­­mitteln, in Alkohol, Tabakwaren oder als Aromastoff vor.

 

 

Hart-Polyethylen (PE-HD)

PE-HD: Bedenklich!


- Gilt nicht als gesundheitsgefährdend;
- ist jedoch umweltverschmutzend.

 

Vorkommen:

Polyethylen is der weltweit am meisten hergestellte Kunststoff. Er wird als stabiles Hart-Polyethylen PE-HD verwendet, welches sich durch eine hohe Dichte (HD) auszeichnet, u. a. für Getränkekästen, Reinigungsmittelflaschen oder auch Rohre.

Achtung:

Polyethylen ist durch seine hohe Beständigkeit gegenüber Salzlösungen, Laugen und Säuren sehr langlebig und nicht natürlich abbaubar. Zwar versprödet es durch Sonneneinstrahlung und zerfällt dann durch Verwitterungsprozesse in kleine Teile, kann jedoch wie alle Kunststoffarten von Organismen nicht weiter zersetzt werden und verbleibt daher als Störfaktor in den Ökosystemen und im Körper.

 

Polyvinylchlorid (PVC)

PVC: Unbedingt vermeiden!


- enthält Phthalate;
- östrogene Wirkung auf das Hormonsystem, kann Fettleibigkeit, Impotenz und anderes verursachen;
- Entsorgung problematisch.

Vorkommen:

Aufgrund seiner Haltbarkeit und seiner hohen Beständigkeit wird das spröde Hart-PVC vor allem für langlebige Produkte wie Fensterrahmen, Rohre oder Dachrinnen genutzt. Durch Zugabe von unterschiedlichen Substanzen kann PVC zudem in seiner Elastizität variiert werden. So entsteht durch Zugabe von Weichmachern (z. B. Phthalaten) das geschmeidige und biegsame Weich-PVC, dessen Anwendung sich von Fußbodenbelägen, Vinyl-Tapeten, Schläuchen und Kabeln über Duschvorhänge, Schuhsohlen und Kinderspielzeug bis hin zu Kosmetika, Lebensmittelverpackungen und Medikamenten-Kapseln erstreckt. Als PVC-Paste kann es auf Textilien, z. B. für Regenmäntel, oder auf Schaumstoffe, u. a. bei Polstermöbeln, aufgetragen werden.

Achtung:

PVC bringt von seiner Produktion bis hin zur Entsorgung einige Gefahren für Umwelt und menschliche Gesundheit mit sich. Bei der Herstellung wird das giftige und krebserregende Vinylchlorid benötigt. In Fabriken, in denen PVC hergestellt wird, müssen daher hohe Sicherheitsrichtlinien beachtet werden.

Ein weiteres Problem stellen die für die Herstellung von Weich-PVC verwendeten Phthalate dar. Diese hormonell wirkenden Substanzen sind im Kunststoff nicht fest gebunden und können daher verdampfen, ausgewaschen oder abgerieben werden. Sie reichern sich in der Luft, im Hausstaub oder über die Verpackung im Nahrungsmittel an und können vom Menschen über die Atmung, Nahrung oder die Haut in den Körper aufgenommen werden. Bei nahezu allen bisher untersuchten Menschen konnten Phthalate und ihre Abbauprodukte im Blut und im Urin nachgewiesen werden. Durch ihre östrogene Wirkung können sie u. a. zu Fettleibigkeit, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie einer Beeinträchtigung der Sexualfunktion und der Fruchtbarkeit führen. So kann eine hohe Phthalat-Belastung sich bei Jungen negativ auf die Anzahl und Qualität der Spermien auswirken sowie eine Missbildung der Geschlechtsorgane verursachen. Bei Mädchen konnte durch die östrogene Belastung eine verfrühte Brustentwicklung beobachtet werden, ebenso wie ein verfrühtes Einsetzen der Pubertät. Zudem steht PVC im Verdacht, krebserregend zu sein. Doch auch auf die Umwelt wirken sich Phthalate negativ aus: So wurden in mit Phthalaten belasteten Flüssen Zwitter-Fische entdeckt. Weich-PVC sollte also unbedingt vermieden werden, insbesondere im Kontakt mit Kindern.

Zudem verrottet und verwittert PVC nicht. Aufgrund der verschiedenen Zusatzstoffe ist jedoch auch eine Wiederverwendung von PVC schwierig. Ein wertstoffliches Recycling ist möglich, führt allerdings zu einem Qualitätsverlust (Downcycling). Der Großteil des PVCs gelangt auf die Deponie oder wird verbrannt, wobei giftige Dioxine entstehen.

Weich-Polyethylen (PE-LD)

PE-LD: Bedenklich!


- Gilt nicht als gesundheitsgefährdend;
- ist jedoch umweltverschmutzend.

Vorkommen:

Das zähe und dehnbare Weich-Polyethylen PE-LD, das über eine geringe Dichte verfügt, kommt z. B. bei Folien, Plastiktüten, Gefrierbeutel oder Kabelisolierungen zur Anwendung.

Achtung:

Ebenso wie PE-HD ist auch PE-LD langlebig und nicht natürlich abbaubar. Wenn es also nicht thermisch weiterverwertet oder recycelt wird, sammelt es sich in der natürlichen Umwelt an und stellt so eine Gefahr für die Tier- und Pflanzenwelt dar.

Polypropylen (PP)

PP: Bedenklich!


-
Gilt nicht als gesundheitsgefährdend;
- ist jedoch umweltverschmutzend.

Vorkommen:

PP verfügt über eine höhere Härte und Steifigkeit als PE-HD und ist zudem hitzebeständiger. Sein Anwendungsbereich zieht sich von medizinisch-technischen Artikeln, elektrischen Haushaltsgeräten und Lebensmittelverpackungen über Spielzeug und Sportartikel bis hin zu Fasern für synthetische Teppiche, Sitzbezüge und Sportbekleidung.

Achtung:

Wie PE gehört auch PP zur Gruppe der Polyolefine. Die für die Herstellung von Polyolefinen verwendeten Rohstoffe Ethylen und Propylen sind leicht entzündlich und explosionsgefährlich, gelten aber als relativ harmlos für Gesundheit und Umwelt. Im Vergleich zu anderen Kunststoffen enthalten sie weniger bedenkliche Zusatzstoffe, sind auf der Deponie umweltneutral, geben keine Schadstoffe in die Umwelt ab und verfügen über ein deutlich geringeres Potential zur Dioxinbildung bei der Verbrennung. Darüber hinaus ist PP mit weniger technischen Problemen und Kosten beim Recycling verbunden. PE und PP kommen daher mittelfristig als Ersatz für andere Kunststoffe, wie PVC, in Frage. Langfristig sollten jedoch auch sie vermieden oder durch Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen ersetzt werden, denn auch PP kann in der Umwelt nicht abgebaut werden.

Polystyrol (PS)

PS: Bedenklich!


-
 Styropor grundsätzlich recyclebar, aber Technik noch nicht verbreitet, daher aktuell umweltverschmutzend.

Vorkommen:

Das stabile Polystyrol wird für viele Gebrauchsartikel, wie z. B. CD-Hüllen oder Kleiderbügel, aber auch für Lebensmittelverpackungen, wie Joghurtbecher, verwendet. Häufiger kommt es jedoch als aufgeschäumtes Polystyrol (bspw. Styropor) zur Anwendung und dient so als Dämmstoff oder Verpackungsmaterial. In der Landwirtschaft wird das stabile Polystyrol zur Bodenauflockerung eingesetzt.

Achtung:

Bei der Herstellung von PS kommen das giftige Benzol und das Erbgut verändernde Styrol zum Einsatz. Die freigesetzten Styrol-Dämpfe reizen Atemwege, Augen und Schleimhäute. Aufgeschäumtes Polystyrol verrottet nicht und kann sich in der Umwelt anreichern. Zwar ist es vollständig recyclebar, jedoch sind die entsprechenden Maschinen noch nicht weit verbreitet und das Styropor wird daher häufig verbrannt. Um dem vorzubeugen, sollten größere Mengen an Verpackungsstyropor auf Wertstoffhöfen abgegeben und kleinere Styroporverpackungen in den gelben Sack geworfen werden.

Polycarbonat (PC)

PC: Unbedingt vermeiden!


- östrogene Wirkung auf das Hormonsystem;
- verursacht verschiedene Krankheiten;
- schon in geringen Mengen wirksam.

Vorkommen:

PC hat aufgrund seiner hohen Festigkeit, Transparenz, Steifigkeit und Härte vielfältige Einsatzbereiche. So wird es sowohl für Schutzhelme, Visiere und Brillengläser als auch für das Gehäuse von Handys und Computern oder gar für Flugzeugfenster oder einbruchsichere Verglasungen verwendet. Zudem verfügen Polycarbonate über gute elektrische Isolierungseigenschaften und eine hohe Wärme- und Strahlungswiderstandsfähigkeit, weshalb sie bei der Herstellung von Elektrogeräten und -teilen, Leuchtenabdeckungen, CDs und DVDs sowie Mikrowellengeschirr und anderen hitzebeständigen Gefäßen, wie Babyflaschen zum Einsatz kommen.

Achtung:

Einige Polycarbonate werden aus dem hormonell wirkenden Bisphenol A (BPA) hergestellt, von dem nachgewiesen werden konnte, dass es aus dem Kunststoff in die Umwelt entweicht. BPA findet sich in der Luft, im Hausstaub oder auch in Lebensmitteln, die mit PC verpackt oder mit PC-Geschirr erwärmt wurden. Ebenso wie Phthalate hat auch BPA eine östrogene Wirkung, was sich in Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Brust- und Genitalkrebs oder einer Einschränkung der Fortpflanzungsfähigkeit äußern kann. Im Mutterleib hat es Auswirkungen auf die Gehirn- und Organentwicklung des Fötus. Zudem gilt es als eine Ursache für Hyperaktivität. Wie Studien nachweisen konnten, greift BPA bereits in geringen Mengen in das Hormonsystem ein. Seit 2011 ist es EU-weit in Babyflaschen verboten.

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