Jagdrevier für den Uhu gesichert
Ein Uhu setzt zum Flug an.
Foto: Dr. C. Fried
Alte Obstbäume
Auf dieser Streuobstwiese wachsen zahlreiche hochstämmige, knorrige Obstbäume, darunter einer Goldparmäne, eine Apfelsorte, die bereits im 17. Jahrhundert angebaut wurde.
Rund um die Bäume breitet sich ein Halbtrockenrasen aus, der im Sommer von Margeriten, Glockenblumen, Wilden Majoran und vielen anderen Pflanzen übersät ist.
Bis zu 1.000 Insektenarten an einem Baum
Heute gehören Streuobstwiesen mit großen, alten Obstbaumbeständen laut dem Bundesamt für Naturschutz zu den stark gefährdeten Biotoptypen. Sie besitzen nur eine sehr geringe wirtschaftliche Bedeutung. Für die Obstproduktion wurden sie durch Intensivobstanlagen mit schwach wachsenden und schnell austauschbaren Obstbäumchen ersetzt.
Der Wert eines alten Obstbaumes erschöpft sich jedoch nicht in der Zahl der Früchte, die er trägt. Jeder alte Obstbaum bietet Lebensraum für viele, oft mittlerweile selten gewordene Arten. An einem einzigen Obstbaum leben bis zu 1.000 Insektenarten!
Zahlreiche Schmetterlinge
Häufige Besucher auf dem Halbtrockenrasen der Streuobstwiese sind zahlreiche Schmetterlinge. Darunter sind Tagpfauenauge, Zitronenfalter, Brombeerzipfelfalter, Schachbrett, Distelfalter, Senfweißling, Ochsenauge, C-Falter, Kleiner Heufalter, Landkärtchen, Schwalbenschwanz, Aurorafalter und viele andere zu beobachten.
Sie werden von dem reichen Nektar- und Pollenangebot angezogen. Im Spätsommer und Herbst saugen sie dann den vergärenden Saft heruntergefallener Früchte.
Rückkehr des Uhus
Der Uhu war in Mitteleuropa aufgrund von Verfolgung und dem starken Einsatz von Pestiziden fast ausgerottet. Durch Auswilderung von einigen in Gefangenschaft gezüchteten Uhus stabilisiert sich sein Bestand langsam.
Der Uhuhorst nahe der Streuobstwiese wurde von den HGON während der Brutzeit in den Jahren 1977 bis ins Jahr 1985 durchgehend bewacht. Der intensive Schutz wie auch die stete Aufklärungsarbeit der HGON führten dazu, dass einstige Uhu-Skeptiker vor Ort und in der Jägerschaft die Uhus im Landkreis Limburg-Weilburg akzeptierten.
Jedes Jahr brüten Uhus im Steinbruch bei der Streuobstwiese. Im gesamten Landkreis Limburg-Weilburg brüten sieben Uhupaare.
Grunddaten Streuobstwiese bei Limburg
Lage
Die Streuobstwiese liegt im Landkreis Limburg-Weilburg, am Ortsrand vom Runkeler Stadtteil Steeden.
Größe
7.640 Quadratmeter
Tierwelt
Neuntöter, Raubwürger, Feldschwirl, Mönchsgrasmücke, Gartenbaumläufer, Ringelnatter, Blindschleiche, Zauneidechse, Tagpfauenauge, Admiral, Landkärtchen. Nahrungsgäste sind Turmfalke, Sperber, Waldkauz und der Uhu.
Pflanzenwelt
Apfel-, Zwetschgen- und Birnenbäume, Wiesenschlüsselblume, Herbstzeitlose, Silber-Fingerkraut, Schwarze-Königskerze, Wilder Majoran, Gold-Aster, Rapunzel-Glockenblume, Kronwicke, Kugeliger Lauch, Kleiner Wiesenknopf und viele andere;
Besonderheit
Die Fläche ist reich strukturiert mit alten Obstbäumen, Halbtrockenrasen und von kleinen Gehölzen sowie Brombeer- Himbeer- Weißdorn- und Schwarzdornhecken abgegrenzt. Die Lahn fließt nur ca. 300 m entfernt. Zahlreiche seltene Schmetterlinge sind hier zu finden. Der Uhu brütet im angrenzenden Steinbruch und jagt hier.
Geschichte
Der Baumbestand auf der Streuobstwiese in Steeden ist ca. 80 Jahre alt. Etwa zehn Jahre wurde die Wiese als Weide genutzt. Diese Form der Nutzung verdrängte viele seltene Arten. Der Arbeitskreis Limburg-Weilburg der Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) konnte 1996 diese Fläche pachten und die Wiese naturnah pflegen. Seitdem sind zahlreiche Arten zurückgekehrt. Damit dieses Biotop erhalten bleibt, haben Naturefund und die HGON die Wiese gekauft.
Partner
Die HGON ist in diesem Projekt die Partnerin von Naturefund und wurde Eigentümerin der Fläche. Der Arbeitskreis Limburg-Weilburg der HGON wird die Fläche langfristig betreuen.
Betreuungskonzept
Zukünftig werden weitere alte Obstbaumarten gepflanzt, u. a. Mispel und Speyerling. Ein 'Bienenhotel' für Wildbienen wird eingerichtet und die alten Obstbäume werden gepflegt. Die Wiese wird einmal im Jahr gemäht und nicht mehr gedüngt. Ansonsten wird die Fläche in Ruhe gelassen.



