Regenwald in Honduras
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4. November 2009
11/2009 - Bäume pflanzen in bewegenden Zeiten
Liebe Leserin, lieber Leser
Schon lange wollten wir Ihnen den nächsten Baumbrief schicken, schon im September. Doch der September war überschattet von der Rückkehr des abgesetzten Präsidenten Zelaya nach Honduras und der Frage, was passiert jetzt. Wird seine Gefolgschaft zu den Waffen greifen, wird es zum Bürgerkrieg kommen?
Der Nationalpark Patuca abgeriegelt
Das ganze Land hielt den Atem an, das Militär verstärkte die Kontrolle auf den Straßen und Ausgangssperren wurden verhängt. Der Nationalpark Patuca wurde besonders abgeriegelt, denn er liegt direkt an der Grenze zu Nicaragua nur unweit dem Ort, wohin sich Zelaya und seine Anhänger zurück gezogen hatten, nachdem Zelaya abgesetzt wurde.
Das Team der Asociación Patuca konnte einen Zeit lang nicht in den Park reisen. Dabei war der September der Anfang der Regenzeit und damit der beste Zeitpunkt, mit dem Auspflanzen der mittlerweile fast 30.000 Setzlinge zu beginnen.
Der Park ist groß und nicht leicht zugänglich. Jeder Tag ist wichtig, denn die Wege zwischen den verschiedenen Gemeinden und den neuen Baumschulen sind beschwerlich. Jeder verlorene Tag verringert die Chance, in diesem Jahr tatsächlich alle Setzlinge rechtzeitig zu pflanzen. Die Gespräche die wir in dieser Zeit mit der Asociación führten, waren daher von Sorgen überschattet, voll Ungewissheit und auch Angst.
Die Devise im September hieß: Ruhe bewahren!
Wird das mühsam aufgebaute Vertrauensverhältnis mit den Gemeinden verloren gehen, weil die Asociación Patuca nicht wie versprochen in den Park kommt? Wird der ganze Aufbau der Baumschulen, die viele Arbeit umsonst gewesen sein? Unmöglich, in dieser Zeit einen vernünftigen Bericht mit der Asociación zu verfassen. Dem Team von Naturefund blieb nur, Ruhe zu bewahren, zu zuhören und der Asociación zu versichern, dass wir trotz politischer Unruhen und auch Ungewissheit den Schutz des Nationalparks Patuca weiterhin unterstützen werden.
Doch die Ankunft von Zelaya in Honduras lenkte erneut das Augenmerk der Weltöffentlichkeit auf Honduras und der derzeit amtierende Präsident Roberto Micheletti sah sich gezwungen, die Ausgangssperren wie auch die Beschränkung der persönlichen Freiheiten wieder aufzuheben. Die Situation entspannte sich ein wenig, die Normalität kehrt langsam wieder in der Alltag der Menschen zurück.
Reisen in den Nationalpark sind wieder möglich
Auch Reisen in den Park waren wieder möglich, selbst wenn nach wie vor diverse Militärkontrollen passiert werden mussten und die Asociación immer wieder erneut den bewaffneten Soldaten in schier endlosen Diskussionen erklären musste, dass ihre Absichten im wahrsten Sinne des Wortes rein friedlicher Natur waren.
Diese Diskussionen waren zermürbend, ebenso die bange Frage, ob das Team der Asociación Patcua wieder heil aus dem Park herauskommen würden. Doch Mitte Oktober starteten sie dann eine Reise in den Park und kamen jetzt, am vergangenen Freitag, den 30. Oktober, sicher aus dem Nationalpark Patuca in der Hauptstadt Tegucigalpa wieder an.
Kurz nach ihrer Rückkehr sprachen wir miteinander. Die Lage im Park selbst ist nach wie vor angespannt, auch hier patrouilliert das Militär. Größere Gruppen dürfen sich nicht treffen. Dennoch konnte die Asociación einige Baumschulen besuchen und viele, wenn auch nicht alle Setzlinge, pflanzen. Wenn es möglich ist, wird die Asociación Patuca in den kommenden Wochen noch einmal eine Reise in den Park starten, um weitere Baumschulen zu besuchen.
Eine Landwirtschaft mit Urwaldbäumen
Die Anwesenheit der Asociación Patuca ist momentan auch so wichtig, weil wir mit den Gemeinden dabei sind, das landwirtschaftliche System von reiner Viehwirtschaft und Ackerbau auf ein System der 'Agroforestal', einer Landwirtschaft mit Bäumen umzustellen. Dabei werden Baumarten, die im Regenwald vorkommen und die vorzugsweise im Schatten großer Urwaldbäume wachsen, gepflanzt. Zu diesen Baumarten zählen beispielsweise Kakao wie auch Kaffee.
Die Pflanzungen sollen nachhaltig und naturnah sein. Statt monotoner Baumreihen wird hier eine Mischung aus Nutzpflanzen und Urwaldbäumen gepflanzt. Zukünftig sollen die Bäume auch Erdrutsche vermeiden und die natürlichen Wasserspeicher im Boden wieder aufbauen. Eine Landwirtschaft mit Bäumen ist für die Menschen neu und das Wissen fehlt. Um so wichtiger war und ist es, dass die Asociación Patuca gerade jetzt in dieser Übergangsphase vor Ort war und bei der Umsetzung begleitet.
Mit Spannung werden jetzt auch die Wahlen am 29. November erwartet. Wird sich die Situation in Honduras und damit auch für unser Aufforstungsprojekt weiter normalisieren? Wir hoffen es sehr und werden Sie auf dem Laufenden halten.
Herzliche Grüße
Ihr
Naturefund-Team
Baumkronen im Regenwald
Foto: Asociación Patuca
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